Gärten bitte ohne Exotik

Bietet Vögeln im Herbst reichlich Nahrung: Weißdorn-Beeren. Foto: G. Wietschorke

Der BUND appelliert jetzt an Bremens Gärtnerinnen und Gärtner, im Herbst nur heimische Sträucher zu pflanzen und auf exotische Gehölze zu verzichten. Denn heimische Pflanzen bieten den hiesigen Tieren, insbesondere Vögeln, erheblich mehr Futter als Fremdländische.

„Wer sich darüber freut, in seinem Garten Tiere zu beobachten, sollte bei der Gartengestaltung auf jeden Fall auf heimische Sträucher zurückgreifen“, empfiehlt Martin Rode, Geschäftsführer des BUND Bremen. „Sie bieten unseren Wildvögeln einen wichtigen Lebensraum und eine bedeutsame Nahrungsquelle.“ So naschen nicht nur jeweils über 60 Vogelarten an den Früchten von Vogelbeere und Schwarzem Holunder, sondern auch viele Säugetiere wie Mäuse und selbst Fleischfresser wie Fuchs und Marder. Der Gemeine Wacholder ernährt 43 und der Eingriffelige Weißdorn 32 Vogelarten. Ihre verwandten Exoten Chinesischer Wacholder und Scharlachdorn dagegen nur vier bzw. eine einzige Art. Durchschnittlich ernährt ein heimischer Strauch 21 Vogelarten, ein exotisches Gehölz dagegen lediglich vier. Exoten ohne heimische Verwandte bieten den Vögeln sogar noch weniger Nahrung, wie z.B. Rhododendren, an denen Vögel überhaupt nichts zu fressen finden. „Davon sind übrigens auch Insekten betroffen, deren Larven oftmals auf wenige oder gar nur auf eine Futterpflanze spezialisiert sind“, betont Rode. „Dies verstärkt das landesweite Insektensterben, das aber seine Ursache vor allem in der intensivierten Landwirtschaft hat.“  Während heimische Wildsträucher ein schier unerschöpfliches Nahrungsangebot für zahlreiche Insekten in allen Entwicklungsstadien böten, seien Fraßspuren von Raupen an exotischen Gehölzen in unseren Gärten eine Seltenheit. „Beispielsweise ist der beliebte, aber nichtheimische Sommerflieder oder Schmetterlingsstrauch für erwachsene Falter zwar eine begehrte Nektarquelle. Als Raupenfutterpflanze ist er aber völlig wertlos“, erklärt der Biologe. „Ohne Raupen fehlt den Vögeln aber eine wichtige Nahrungsquelle.“ Diese Nahrungslücke können dann auch die wohlmeinend aufgehängten Meisenknödel und Futterhäuschen nicht kompensieren.

„Gerade jetzt im Herbst boomt leider das Geschäft mit den fremdländischen Ziergehölzen und Nadelbäumen, weil sie nicht selten anspruchslos und billig sind. Für die heimische Fauna sind sie aber vollkommen wertlos“, bedauert der BUND-Sprecher. „Wir appellieren daher an alle Gartenbesitzer, auf Exoten wie Kirschlorbeer, Rhododendron, Lebensbaum und ähnlichem zu verzichten und heimische Sträucher zu pflanzen.“ Statt des immergrünen Kirschlorbeers empfiehlt er die heimischen, ebenfalls immergrünen Arten Ilex und Liguster. Übrigens, so der BUND weiter, seien heimische Arten auch anspruchsloser und widerstandsfähiger gegenüber witterungsbedingten Einflüssen und Schädlingen. Außerdem ließen sich Gehölze für jeden Standort finden: Weißdorn und Wildrosen mögen es gerne sonnig, Haselnuss und Pfaffenhütchen genügt ein halbschattiger Standort und die Heckenkirsche gibt sich mit einem schattigen Plätzchen zufrieden. Fremdländische Gehölze bereiten dagegen zusätzlich oft Probleme mit ihrem Laub und dem anfallendem Strauchschnitt. Rode: „Die Mikroorganismen im Boden können das exotische Blatt- und Strauchwerk nur selten zersetzen.“ Als Folge davon werden Laub und Strauchschnitt anderweitig entsorgt, im schlimmsten Fall sogar widerrechtlich in der freien Landschaft. Dem Garten wird so aber wertvolle Biomasse entzogen und muss langfristig künstlich gedüngt werden. „Heimische Sträucher sind also nicht nur nützlich, sondern sehen auch noch hübsch aus“, wirbt Martin Rode für ihre Verwendung im Garten. „Außerdem bieten sie viele Möglichkeiten zur Naturbeobachtung.“

Vogelfreundliche Kleingärten - in Großstädten ganz groß an Bedeutung

Teerstraßen, Betonwände, Autos und jede Menge Menschen – eine Großstadt macht es Vögeln nicht gerade leicht, darin zu leben. Umso wichtiger sind Kleingartengebiete für sie. Denn Gärten bergen potenziell alles, was ein Vogelherz begehrt: Nist- und Versteckmöglichkeiten, Samen, Beeren und jede Menge Insekten als Nahrung. Und auf den Rasen- und Beetflächen eines Gartens lässt sich gut nach Futter suchen. So verwundert es kaum, dass ausreichend große und naturnah gestaltete Gärten artenreiche Refugien für die Vogelwelt in Großstädten darstellen – mehr als 20 Vogelarten können in ihnen brüten.

Wer Kleingärten vogelfreundlich einrichtet, zieht selber Vorteile daraus: Die Vögel erfreuen mit Gesang und bunten Federkleidern unsere Ohren und Augen. Sie betätigen sich aber auch als Schädlingsbekämpfer: Ein Meisenpaar kann mit seinen Nachkommen bis zu 70 000 Raupen im Jahr verzehren. Um unterschiedlichste Vogelarten in unsere Gärten zu locken, gilt es  mehr zu tun als Nistkästen anzubringen. Ein vogelfreundlicher Garten sollte nicht nur geeignete Plätze zum Brüten, Schlafen und Verstecken bereitstellen sondern auch ausreichend Nahrung.

Bereits kleine Schritte können große Wirkung zeigen. Auf den folgenden Seiten finden Sie unter den Rubriken Pflanzen, Strukturvielfalt und Boden Anregungen, damit sich auch in Ihrem Garten gefiederte Besucher rundum wohl fühlen. Interessante Links und PDF’s finden Sie in den einzelnen Bereichen und am Ende in einer Liste. Zusätzliche Links und PDF's finden Sie auch in den einzelnen Themenbereichen.

 

Mehr Informationen

 

Diese Seite ist im Rahmen des Projektes „Stärkung der Biodiversität in Bremer Kleingärten“ entstanden. Wir danken folgenden Organisationen für Ihre Unterstützung und Kooperation:

 

 

                         

 

                     



  • Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
  • Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Ihre Spende hilft.

Suche