Kopfweiden

Kopfweiden – ein artenreicher Lebensraum mit regelmäßigem Pflegebedarf


Bis vor wenigen Jahrzehnten machten sich die Menschen die unglaubliche Wuchskraft von Weiden zu Nutze. Man sägte den Stamm in einer Höhe von circa zwei Metern ab. An der Schnittstelle treibt der Baum viele neue Triebe aus. Diese Ruten lassen sich gut erreichen und zur wirtschaftlichen Nutzung abschneiden. Im Laufe der Zeit verdickt sich der obere Abschnitt des Stammes, es entsteht der Kopf der Weide.

Kopfweide im Werderland
Kopfweide im Werderland

Weidenruten sind extrem biegsam und ideal zum Flechten geeignet. Daher wurden sie früher für Korbwaren, Fachwerkbau und sonstige Flechtarbeiten verwendet. Aus älteren Zweigen wurden Besen- und Werkzeugstiele hergestellt. Die Äste wurden häufig als Pfähle für das Errichten von Weidezäunen benutzt. Durch die enorme Regenerationsfähigkeit der Weiden entstanden aus diesen Pfählen neue Pflanzen. Entdeckt man heute in der Landschaft eine Kopfweidenreihe, war diese vermutlich einst ein Pfahlzaun.

Heute hat man die lebenden Zweige zur Erstellung von Bauwerken wieder entdeckt - von der Befestigung von Hängen durch das Verwurzeln der Äste, bis zu beachtlichen Gebäuden aus lebendem Holz.

Die Kopfweiden prägen mit ihrer imposanten Gestalt in waldarmen Landschaften Gewässerläufe, Wegränder, Wiesen und Feuchtflächen. Leider sind sie heute selten geworden. Vor allem leidet darunter die Tierwelt. Alte Exemplare von Kopfweiden können von mehr als 400 Insektenarten bewohnt werden. In den hohlen Stämmen und ausgefaulten Baumhöhlen brüten viele Vogelarten, sogar der bedrohte Steinkauz. Auch Fledermäuse, Hornissen, Siebenschläfer, Wiesel und Marder finden in den knorrigen Bäumen ein Zuhause.

Wird eine Kopfweide nicht regelmäßig geschnitten, verändert sich ihre Statik und kann teilweise auseinander brechen. So entstehen bizarre, geschädigte Kopfweiden deren Vitalität aber derartige Schäden noch lange kompensieren kann. Um den Bewohnern dieser Bäume ihre Wohnstätte zu erhalten, ist ein regelmäßiger Schnitt notwendig.

Kopfweide geschnitten

Die BUND Landschaftspflegegruppe Arsten/Habenhausen hat 1993 zusammen mit Kindern der Grundschule Habenhausen 40 Kopfweiden am Weserufer oberhalb des Weserwehrs gepflanzt. Aus den einst armdicken Pflanzstöcken sind mittlerweile ansehnlich dicke Weidenstämme geworden mit einem üppig wuchernden „Schopf“ aus Weidenästen. In Bremen ist der Steinkauz leider seit einigen Jahrzehnten verschollen. Sollte eines Tages mal wieder diese markante kleine Eule auftauchen, werden ihm die Kopfweiden am Weserufer oder die im Werderland, entlang des Ökolehrpfades sicher gefallen.

Damit dieser Lebensraum sich auch weiterentwickelt, ist allerdings schweißtreibende Arbeit erforderlich. Die Köpfe müssen etwa alle 2 bis 3 Jahre beschnitten werden. Wer Lust hat zu helfen kann sich gerne an die BUND-Landschaftspflegegruppe Arsten/Habenhausen wenden.

Die zum Teil recht schweren Äste werden binnendeichseitig auf eine ebenfalls vom BUND angelegte so genannte Benjeshecke gebracht, wo sie als Totholz Insekten und Vögel anlocken und damit die vorhandene lebendige Hecke zusätzlich beleben. Das anfallende Schnittgut kann zum Flechten von lebendigen Zäunen oder zum Pflanzen von weiteren Kopfweiden verwendet werden. Wer als Selbstabholer daran interessiert ist, sollte sich beim BUND unter Tel. 790020 melden.



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